Allgäuer Hof-Milch kritisiert Tiermisshandlung

PRESSEINFORMATION

„Ein Versagen auf ganzer Linie“

Allgäuer Hof-Milch GmbH kritisiert Tiermisshandlungen

Missen-Wilhams, 10.07.2019

„Diese Bilder sind abscheulich, erschütternd und inakzeptabel“, sagt Allgäuer Hof-Milch-Geschäftsführer Matthias Haug, nachdem er Dienstagabend den Bericht in „Report Mainz“ in der ARD gesehen hat. Einer der wohl größten Milchviehbetriebe Deutschlands in Bad Grönenbach im Unterallgäu steht unter Verdacht, Kühe über Wochen hinweg gequält und misshandelt zu haben. Die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet.

„Wir haben und hatten mit diesem Landwirt keine Geschäftsbeziehung. Diese Milch wurde von der Allgäuer Hof-Milch GmbH nicht verarbeitet. Es ist schwer zu ertragen, diese Tiermisshandlungen anzusehen. Unerträglich ist es für mich jedoch zu wissen, dass die mutmaßlichen Missstände erst durch Tierschützer aus Augsburg aufgedeckt werden mussten.“ erklärt Haug.

„Das sind Lebewesen, keine Kartoffelsäcke“

Für die Allgäuer Hof-Milch GmbH ist es unbegreiflich, dass einem Milchviehbetrieb die Haltung von 1800 Kühen überhaupt genehmigt wird und anscheinend keine strengeren Kontrollen durch die Behörden stattfinden. „Das ist eine Dimension, deren Namen im Allgäu niemand hören will: Massentierhaltung“, sagt Haug. Während kleine und mittelständische Betriebe ständig neuen Auflagen und Dokumentationspflichten nachkommen müssen, scheinen die Kontrollen in Bad Grönenbach vermutlich nicht angemessen gewesen zu sein. „Bei einem Betrieb dieser Größe muss auch die Kontrollfrequenz effektiver gestaltet sein. Schließlich reden wir über die Haltung von Lebewesen und nicht über die Lagerung von Kartoffelsäcken“, moniert Haug.

Laut Medienberichten sei selbst die Milch der gequälten Tiere noch verarbeitet worden. „Eine Molkerei hat jederzeit die Möglichkeit, solche Missstände zu beenden. Nämlich dann, wenn sie die Haltung der Kühe kontrolliert und genau hinschaut, wie der Landwirt mit seinen Tieren umgeht“, erklärt Haug.

 

Persönlicher Kontakt zu den Landwirten

Haug weiß, wovon er spricht. 2016 hat er zusammen mit Johannes Nussbaumer die Allgäuer Hof-Milch GmbH gegründet. Seit Beginn an hat Tierwohl für die beiden eine große Rolle gespielt. „Der persönliche Kontakt zu unseren Heumilchlandwirten ist uns sehr wichtig, denn Tierwohl fängt beim Landwirt an.“ erklärt Nussbaumer „Wir wissen, dass sich unsere Landwirte voller Hingabe um ihre Kühe kümmern. Denn nur dann liefern die Tiere hochwertige Heumilch“. Großen Wert legen die beiden auf die Fütterung der Tiere. Hof-Milch-Kühe bekommen keine Silage zu fressen, sondern nur saftige Gräser und Kräuter, getrocknetes Heu sowie mineralstoffreichen Getreideschrot.

Außerdem achtet die Allgäuer Hof-Milch GmbH darauf, dass die Kühe an mindestens 120 Tagen Weidegang haben. „Dies honorieren wir mit bis zu 2 Cent pro Liter als Weideprämie“, erklärt Nussbaumer.

 

Die Bio-Heumilch trägt das „Tierschutz kontrolliert“-Siegel von „VIER PFOTEN“

Längst ist die Molkerei beim Tierwohl noch einen Schritt weiter gegangen: Die Bio-Heumilch der Allgäuer Hof-Milch GmbH trägt das „Tierschutz kontrolliert“-Siegel der Tierschutzorganisation „VIER PFOTEN“ – im Silber Standard. Das heißt, die Milch stammt von Kühen, die ständig die Möglichkeit haben, sich frei im Stall zu bewegen. Außerdem können die Kühe jederzeit an die frische Luft und falls enthornt wird, findet dies unter Betäubung und Schmerzbehandlung statt. Auch für regelmäßige Weidegänge der Kühe muss gesorgt sein. Die Standards werden regelmäßig von einer unabhängigen, akkreditierten Zertifizierungsstelle überprüft. Dabei werden nicht nur der Stall, sondern auch das Wohlbefinden und der Gesundheitszustand der Tiere kontrolliert.

Beim Gold-Standard wird zusätzlich für mutter- bzw. ammengebundene Kälberaufzucht gesorgt und es wird auf Enthornung komplett verzichtet.

„Wir haben mit Silber begonnen, streben langfristig aber an, immer besser zu werden. Uns geht es nicht darum, neue Vorschriften zu schaffen, an die sich jeder Landwirt zu halten hat, sondern uns ist wichtig, dass alle Landwirte ihre Erfahrungen einbringen, dass sie sich untereinander und mit uns austauschen und miteinander weiterentwickeln.“, sagt Nussbaumer.

 

„Für uns ist völlig klar, dass wir diese Arbeit entsprechend honorieren“

Den zertifizierten Bio-Landwirten zahlt die Molkerei ein für fünf Jahre garantiertes Milchgeld, nämlich 53 Cent netto pro Liter. „Mit unseren Anforderungen steigt auch der Aufwand für jeden Landwirt. Für uns ist völlig klar, dass wir diese Arbeit entsprechend honorieren“, so Geschäftsführer Johannes Nussbaumer. Auch den „konventionellen“ Heumilch-Landwirten zahlt die Molkerei ein für 5 Jahre garantiertes Milchgeld, aktuell 40 Cent netto pro Liter.

„Wir sind überzeugt davon, dass es uns so gelingt, das Tierwohl innerhalb der bestehenden Strukturen zu erhöhen und den Landwirten für sie gangbare Wege aufzuzeigen. Mitnehmen und motivieren statt ausschließen und abhängen: Dies ist unsere Philosophie“, erklärt Nussbaumer.

 

„Wir brauchen ein gesellschaftliches Umdenken“

Die Einführung von Tierwohl-Standards war für die Allgäuer Hof-Milch GmbH nur ein erster Schritt. „Wir erarbeiten derzeit ein Konzept, das den gesamten Lebenskreislauf einer Kuh berücksichtigt. Wir denken da beispielsweise an eine Fleischverarbeitung in der Region, um die ganzheitliche Verwertung des Tieres zu berücksichtigen“, sagt Nussbaumer.“ Durch diesen ganzheitlichen Ansatz möchte die Allgäuer Hof-Milch GmbH nicht nur nachhaltig wirtschaften, sondern auch die Tourismusregion Allgäu stärken. „Die gesamte Region Allgäu lebt von der kleinbäuerlichen Landwirtschaft und nicht von großen Milchfabriken, in denen Kühe keine Namen mehr haben und wo es um nichts anderes geht als den größtmöglichen Ertrag“, sagt Nussbaumer.

Sein Kollege Haug ergänzt: „Es ist ganz klar auch die Verantwortung des Verbrauchers an der Kühltheke, ob er zur Billig-Milch für 69 Cent greift und damit die Massenproduktion unterstützt, oder ob er für einen Liter Bio Heumilch 1,69 EUR ausgibt und dafür sorgt, dass alle Beteiligten vernünftig wirtschaften können.“

Weiter erklärt er: „Wir haben eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung gegenüber Natur, Tieren, Mitmenschen und nachfolgenden Generationen. Nun ist es an der Zeit, dass dies auch von allen gelebt und vorangebracht wird. Egal, ob großer Konzern, Politik, Behörde oder Landwirt – wir brauchen ein gesellschaftliches Umdenken – und zwar jetzt!“