Welche Rolle spielt bisher das Tierwohl bei der Allgäuer Hof-Milch GmbH?
Für die Allgäuer Hof-Milch GmbH hat Tierwohl schon immer eine große Rolle gespielt. Die Kühe bekommen
keine Silage zu fressen, sondern ausschließlich saftige Gräser und Kräuter, getrocknetes Heu sowie
mineralstoffreichen Getreideschrot. Seit Urzeiten wurden die Tiere so gefüttert bis Mitte des
20. Jahrhunderts der Trend zur Gärfütterung, sprich Silage, kam. Damit ist die Herstellung von Heumilch
die ursprünglichste Form der Milchgewinnung.
Die Kühe der Heumilch-Landwirte müssen mind. 120 Tage Weidegang haben. Bei Landwirten mit
Kombi-Haltung, die eine Anbindung bei max. 25 Kühe erlaubt, ist ein Weidegang für die ganze Saison von
April bis Oktober vorgesehen.

Was unterscheidet die „Tier geht’s gut – mir geht’s gut“- Bio Heumilch 3,8% von der bisherigen
Bio-Bergbauern-Heumilch der Allgäuer Hof-Milch GmbH?

Der Unterschied ist die „Tierschutz-kontrolliert“-Zertifizierung der Bio-Höfe, bei der noch mehr Fokus auf
das Thema „Kuhwohl“ und die Weiterentwicklung von Standards entlang der gesamten Wertschöpfungskette
gelegt wird.
Die Kühe, von denen die Allgäuer Hof-Milch GmbH ihre Milch bezieht, werden nicht nur gehalten, sondern
sollen sich auch wohlfühlen. Deshalb gehört zu den Zertifizierungskriterien sowohl ein gut durchlüfteter
Laufstall mit ausreichend Platz, als auch freier Auslauf auf den Allgäuer Wiesen und Weiden, täglich
frisches Gras bzw. Heu und frisches Wasser. Auch ein respektvoller Umgang mit den Kühen ist wichtig.
Zudem werden regelmäßige und vorbeugende Gesundheitskontrollen durchgeführt. Die Anbindehaltung
ist bei Betrieben, die eine „Tierschutz-kontrolliert“-Zertifizierung erhalten, verboten.

Die Mitbewerber haben doch schon lange Tierwohl-Milch mit Tierschutzlabel des „Deutschen Tierschutzbundes“
in den Regalen. Wo sind die Unterschiede?

Grundsätzlich begrüßen die REWE, VIER PFOTEN und die Allgäuer Hof-Milch GmbH es sehr, dass auch
die Discounter mehr Augenmerk auf das Tierwohl legen. Die Kriterien, die VIER PFOTEN für die Tierwohl-
Milch der Allgäuer Hof-Milch GmbH gesetzt hat, gehen jedoch viel weiter.
Des Weiteren ist es wichtig, dass Tierwohl nicht mit der Milchtüte im Regal endet. Zusammen mit REWE
und VIER PFOTEN entwickelt die Allgäuer Hof-Milch GmbH bereits ein Konzept, das den gesamten Lebenskreislauf
einer Kuh berücksichtigt. Dazu gehören beispielsweise eine Kälbermast im Allgäu sowie
die Schlachtung und Fleischverarbeitung in der Region, um den regionalen Wirtschaftskreislauf zu stärken.
Es geht v.a. darum, mit den Landwirten gemeinsam die Standards weiterzuentwickeln.

Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit VIER PFOTEN Produkte mit dem Silberstandard
„Tierschutz-kontrolliert“ auszeichnet?

Das Tierwohl steht beim VIER PFOTEN Gütesiegel „Tierschutz-kontrolliert“ an erster Stelle. Alle Kriterien,
die VIER PFOTEN verpflichtend beim Silberstandard fordert, liegen weit über den sonst üblichen
Haltungsstandards bei Milchkühen. Mit der Vergabe des Gütesiegels „Tierschutz-kontrolliert“ in Silber
garantiert VIER PFOTEN, dass Kriterien bei der Haltung und Versorgung der Tiere erfüllt sind, die für
deutlich mehr Tierwohl sorgen. Die Milch stammt von Kühen, die nicht in Anbindehaltung gehalten werden.
So haben die Tiere jederzeit die Möglichkeit, sich frei im Stall zu bewegen und können im Herdenverband
ihre sozialen Verhaltensweisen ausleben. Außerdem können die Kühe jederzeit an die frische Luft,
da die Tiere entweder in Außenklimaställen gehalten werden oder einen ganzjährigen Zugang zu einem
Auflauf im Freien haben. Das Entfernen der Hornanlagen findet bei den Kühen besonders behutsam unter
Betäubung und Schmerzbehandlung statt. Auch für regelmäßige Weidegänge der Kühe muss gesorgt
werden, wenn Landwirte diese Zertifizierung erhalten. Besonders wichtig sind die regelmäßigen Kontrollen,
die VIER PFOTEN durchführt. Dabei werden nicht nur der Stall, sondern auch das Wohlbefinden der
Tiere und der Gesundheitszustand eingehend kontrolliert.

Wann kommt der Goldstandard?
Die Landwirte der Allgäuer Hof-Milch GmbH entwickeln sich kontinuierlich weiter, sobald die Kriterien für
den Goldstandard bei den einzelnen Landwirten erfüllt sind, kann eine jeweilige Zertifizierung erfolgen.

Warum nur Bio-Landwirte? Warum gilt das Tierwohl-Label nicht für alle Landwirte?
Grundsätzlich möchte die Allgäuer Hof-Milch GmbH allen Landwirten die Möglichkeit geben, an dieser
Zertifizierung teilzunehmen und in mehr Tierwohl zu investieren. Dabei soll aber auch Niemand ausgegrenzt
werden, der noch nicht so weit ist. Die Milchbauern, die uns mit konventioneller Heumilch beliefern,
müssen bereits zahlreiche Kriterien erfüllen, die dem Wohl der Kühe zu Gute kommen. Die Kühe der
konventionellen Milchbauern haben beispielsweise auch mind. 120 Tage Weidegang. Ziel ist es, langfristig
von der Anbindehaltung wegzukommen. Aktuell ist noch eine Kombihaltung mit Anbindung bei max. 25
Kühen gestattet. Wir sind überzeugt, dass es nach und nach mehr Landwirte geben wird, die weitere
Kriterien erfüllen werden und somit den Silberstandard erreichen. Aber das geht nicht von heute auf
morgen und das ist auch nicht unser Anspruch. Wir wollen die Landwirte mitnehmen und motivieren,
aber nicht vor vollendete Tatsachen stellen.

Die Zertifizierung erfolgt durch ABCERT nach den Kriterien der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN.
Wer ist ABCERT überhaupt?

ABCERT ist eine unabhängige Kontrollstelle in Deutschland. Hervorgegangen aus einer der ersten
Bio-Kontrollstellen in Deutschland besitzt ABCERT langjährige Erfahrung und Kompetenz bei der Zertifizierung
für den ökologischen Landbau. Hier überprüft ABCERT die Einhaltung der gesetzlichen und
privatrechtlichen Standards bei der Erzeugung und Verarbeitung ökologischer Futter- und Lebensmittel
sowie deren Handel und Import.
Mehr als 13.000 Kunden vertrauen allein in Deutschland der ABCERT-Zertifizierung. Sieben Standorte mit
über 150 kompetenten Mitarbeitern, verteilt über das gesamte Bundesgebiet, garantieren die effiziente,
flexible und schnelle Betreuung aller Kunden.

Warum können nicht alle Landwirte sofort die Anbindehaltung aufgeben und auf Laufstall umstellen?
Welche Strategie verfolgen in dieser Thematik die Allgäuer Hof-Milch GmbH und REWE in Bayern und
Baden-Württemberg?

Aufgrund der kleinstrukturierten Landwirtschaft im Allgäu ist es wichtig, sich an den regionalen Gegebenheiten
und den Lebenswirklichkeiten auf den Höfen zu orientieren. Viele Höfe befinden sich oft
inmitten der Dörfer/Ortschaften. Es fehlt also an Platz, um einen Laufstall zu bauen. Erhöht man den
zeitlichen Druck, auf moderne Laufställe umzustellen, würde dies 1. viele Milchviehhalter zum Aufgeben
zwingen und 2. größere Betriebseinheiten erfordern. Denn der Landwirt müsste seinen Kuhbestand
vervielfachen, um die Investitionskosten wieder hereinzubekommen. Dies wäre ein Widerspruch zum
Tierwohlgedanken und zu einer Landwirtschaft, die keine Agrarfabrik sein soll. Ställe mit Anbindehaltung
sind auch in Bayern Auslaufmodelle. Bayern fördert den Bau von Ställen mit Anbindehaltung schon lange
nicht mehr und unterstützt massiv die Modernisierung von Ställen. Das heißt: Das Umsteigen auf Laufställe
ist ein Prozess, der bereits intensiv läuft.
Wir wollen gemeinsam dazu beitragen, das Tierwohl innerhalb der bestehenden Strukturen zu erhöhen
und den Landwirten realisierbare Wege aufzuzeigen. Mitnehmen und motivieren statt ausschließen und
abhängen: Das ist unsere Philosophie.

Wie viele Lieferanten hat die Allgäuer Hof-Milch GmbH?
Momentan beliefern acht zertifizierte Bio-Landwirte die Allgäuer Hof-Milch GmbH mit der „Tierwohl-
Milch“. Insgesamt liefern 78 Milchbauern aus dem Allgäu Heumilch in konventioneller Qualität und
in Bio-Qualität.

Warum erfolgt die Zusammenarbeit mit VIER PFOTEN?
VIER PFOTEN, REWE und die Allgäuer Hof-Milch GmbH haben das gleiche Ziel: eine kontinuierliche Weiterentwicklung
der bisherigen Standards. Die Allgäuer Hof-Milch GmbH wollte Tierschutz-Kriterien, die
zur Philosophie der Molkerei passen. Diese bietet VIER PFOTEN mit ihrem Gütesiegel „Tierschutz-kontrolliert“.
Idealer Partner ist VIER PFOTEN auch deswegen, weil die Stiftung bereits umfangreiche Erfahrung
mit der Tierhaltung in typischen kleinstrukturierten Landwirtschaften und Bergregionen hat. Der erste
Lizenznehmer des „Tierschutz-kontrolliert“-Labels war der steirische Fleischproduzent Schirnhofer: Das
Fleisch vom ALMO-Ochsen der Firma Schirnhofer wird bei REWE Süd angeboten. Es trägt das „Tierschutz-
kontrolliert“-Gütesiegel seit 2014.

Was passiert mit der Bio-Milch, die von nicht-zertifizierten Höfen stammt?
Diese Bio-Milch fließt v.a. in die Produktion unserer Bio-Käsesorten wie z.B. den Bio Bauernkäse oder Bio
Thymiankäse, die ebenfalls ins Sortiment der Allgäuer Hof-Milch GmbH gehören.

Seit wann arbeiten die Allgäuer Hof-Milch GmbH und REWE zusammen?
Heu-Milch und Käse gehören zum Allgäu wie die Berge. Jedoch gab es lange keine eigenständige Molkerei
im Allgäu, die den LEH beliefern konnte. Diese Situation wollten der gelernte Molkereitechniker Matthias
Haug und Molkereimeister und Bio-Bauer Johannes Nußbaumer ändern. Sie hatten die Vision, eine
eigenständige Molkerei zu gründen, welche ihre gesamte Wertschöpfungskette im Allgäu hat, nachhaltig
wirtschaftet und eine faire Bezahlung der Landwirte garantiert. Anfang 2015 nahmen sie mit der REWE
Region Süd Kontakt auf und fanden auf Anhieb einen Partner, der von ihrer Idee begeistert war und sie
bei ihrer Unternehmensgründung unterstützte.
Seitdem verbindet die Allgäuer Hof-Milch GmbH und REWE Süd eine enge Partnerschaft. Noch während
der Planung hat die REWE Region Süd eine verbindliche Abnahme-Zusage gegeben und somit einen
sicheren Weg für den Start bereitet. Mit REWE Süd hat nicht nur die Hof-Milch, sondern auch deren Landwirte
einen starken und fairen Partner gewonnen, dem es wichtig ist, kleinere Erzeuger zu unterstützen
und dabei nachhaltig zu handeln. Mittlerweile werden die Heumilch-Produkte auch im baden-württembergischen
Vertriebsgebiet der REWE Südwest vertrieben.